Die Krankenhäuser in Deutschland stehen unter enormem Wettbewerbs- und Kostendruck. Wir möchten unsere Produktivität steigern, ohne pauschal die Mittel zu kürzen. Daher hat die SRH Kliniken GmbH als bundesweit erster Klinikträger die Methode des „Lean Hospital“ eingeführt.
In der Gesundheitswirtschaft schlummern gewaltige Reserven. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zeigt, dass im produktivsten Haus jeder in Vollzeit angestellte Mitarbeiter 80 Fälle behandelt, im unproduktivsten hingegen nur 21. Die Produktivität unterscheidet sich mithin um 74 Prozent. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in Spezialkliniken schwerere und damit arbeitsintensivere Fälle behandelt werden, liegt der Unterschied noch bei 45 Prozent.
In puncto Steigerung der Produktivität können wir von der Automobilindustrie lernen. So haben sich die Autohersteller Toyota und Porsche mit Hilfe der „Lean Methode“ zu den produktivsten Unternehmen ihrer Branche entwickelt. Nach der Umstellung auf diagnosebezogene Fallpauschalen (DRG) hat man in den USA die Lean-Methode erstmals auf die Gesundheitswirtschaft übertragen. In Kooperation mit der Harvard Medical School und Porsche Consulting haben die SRH Kliniken das Prinzip „Lean Hospital“ in Deutschland eingeführt. Vor Einführung von Lean Hospital haben wir unsere Kosten vor allem durch Mengenrabatte beim Einkauf, Tarifzurückhaltung und Arbeitsplatzabbau gesenkt. Dieser Effekt ist in gut geführten Häusern inzwischen aufgebraucht. Lean Hospital geht tiefer, denn es ermittelt systematisch die Ursachen von Produktivitätsproblemen.
Die Methode des „Lean Hospital“ befähigt alle Mitarbeiter, Verschwendung in jeglicher Form zu erkennen und dauerhaft zu vermeiden. Pflegekräfte wenden zwei Drittel ihrer Zeit für pflegefremde Tätigkeiten auf, 60 Prozent aller Überstunden entstehen aufgrund unrationeller Organisation. Es sind also überwiegend Bürokratie, fehlende Standards und unklare Vorgaben, die wertvolle Zeit fressen und damit Geld vernichten. Sie führen zu Überversorgung, Rückfragen, Suchen, Warten und „G´schaftlhuberei“. All dies sind Arbeiten ohne Wertschöpfung für den Patienten. Lean Hospital hat eine Reihe von Werkzeugen entwickelt, mit denen alle Mitarbeiter Verschwendung erkennen und beseitigen können.
Im Gesundheitswesen arbeiten noch immer viele Menschen nach dem Prinzip „Viel hilft viel“. Von diesem Denken müssen wir uns verabschieden und gleichzeitig eine neue Fehlerkultur schaffen. Statt viel Energie auf das Verbergen von Fehlern zu verschwenden, wollen wir unsere Mitarbeiter ermutigen, Probleme unverzüglich zu melden und die Fehlerquelle zu beseitigen. Das Prinzip des „Lean Hospital“ erfordert damit ein grundlegendes Umdenken und einen Wandel in der Unternehmenskultur.
Ärzte und Krankenschwestern haben in aller Regel ein hohes Berufsethos. Sie sind hervorragend ausgebildet und wollen erstklassige Arbeit leisten. Leider haben sie zumeist nicht gelernt, ihr Know-how in einer komplexen Organisation rationell zum Einsatz zu bringen. Hier kann Lean Hospital einen wirksamen Beitrag leisten. Bildlich gesprochen, geht es nicht darum, die Zitrone noch weiter auszuquetschen. Vielmehr bemühen wir uns, weniger Saft zu verschütten.